Die Fensterwand der St.-Willehad-Kirche zu Wangerooge von Rudolf Krüger-Ohrbeck (1930-2000)

Modell des geplanten Pfarrzentrums von St. Willehad mit Kirche und Pfarrhaus. Grundsteinlegung der Kirche: 29. Juli 1962 (Fest des Hl. Bonifatius), 17.00 Uhr; hier ein Foto vom Richtfest. Die St.-Willehad-Kirche kurz nach ihrer Fertigstellung (Bericht aus 1964  siehe unten).
Hier zunächst der Kreuzweg in 7 Bildern:
1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt; hinter Pilatus dessen Frau. 2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. 3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz. 4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter. 5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. 6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz. 8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen. 9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz. 10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt. 11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt. 12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.
13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt. Die Nordwand der St.-Willehad-Kirche zeigt den Kreuzweg in 7 Bildern

(Foto: Bodo Hundorf)

Die Südwand beherrscht ein 5,80 x 21 Meter großes Betonglasfenster, das in 11 Abschnitten wie im Hebräischen von rechts nach links zu "lesen" ist und Szenen aus der Bibel darstellt.

1. Darstellung des Heiligen Geistes in Rotbraun, der Farbe der Erde. Beginn mit dem ersten Buch des Alten Testaments (Genesis). "Der Geist Gottes schwebte über den Wassern." 2. Paradies als Kreis dargestellt. Grün = Zeichen des Lebens, Orange = göttliche Farbe des Ostens, Baum in der Mitte zwischen Gut und Böse. Die Mitte ist reserviert für die Gegenwart Gottes. Adam und Eva stehen wie gotische Figuren schlank und aufrecht. Eva trägt einen Granatapfel, die Liebesfrucht des Orients. Der Mensch ist aus dem Paradies herausgefallen - nun in der Bußfarbe Violett. Der Engel (in der Lebensfarbe Grün) weist sie ihren Lebensweg.

3. Die Arche Noah -  wie eine Nussschale, die Fenster der Arche sind braun (Erde, er sieht Land), darüber die Andeutung des Regenbogens. Darunter Moses in Braun (Erde), der einen grünen Stab hält. Am unteren Rand der Prophet Jona, der vom Fisch verschlungen wird. Der grünen Zähne des Fisches symbolisieren Leben. 4. Neues Testament: Johannes der Täufer in Braun, Jesus in grünem Wasser, über dem Kopf Jesu die Taube (Hl. Geist). Darüber Maria mit dem Kind, dessen Körperhaltung auf das Kreuz hindeutet. Über dem Kopf des Kindes befindet sich der Meeresstern (Navigation). 5. Der versinkende Petrus reckt die Hände hoch wie Jona im Bauch des Fisches, die entgegen gestreckten Hände bilden einen Kreis (vgl. "Paradies"). Darunter Hochzeit zu Kana mit 6 Krügen, Jesus in Braun (Menschensohn, Sohn des Zimmermanns). Sturm auf dem Meer (See Genezareth), 4 Köpfe der Jünger, darüber Jesus als Mantel.

6. Genau gegenüber der Kreuzigung in der Kreuzwegbilderwand die Kreuzigung, das leuchtende Rot als Symbol für Liebe und Tod (Blut). Blut und Wasser, die in den Kelch fließen, deuten auf die Sakramente Eucharistie und Taufe hin. Beginn des Altarraumes. 7. Auferstehung mit Siegergeste, darunter: "Als der Morgen dämmerte, stand Jesus am Ufer" (Joh 21). Die Jünger erschrecken vor der Erscheinung des Auferstandenen. Grüne Gewänder (sie holen Leben aus dem Wasser, "Menschenfischer") 8. Gestaltung des himmlischen Jerusalems (Apk 21) in  Form der Mandorla (Mandelform) - vgl. Bild 2. In der Mitte liegt das Lamm auf dem "Buch mit den 7 Siegeln".

Wangerooge erhält wieder eine katholische Kirche (Bericht aus dem Jahre 1964):

Wangerooge ist die einzige Nordseeinsel, die kirchlich zum Bistum Münster gehört. Das hängt damit zusammen, dass Wangerooge innerhalb der politischen Grenzen des Landes Oldenburg liegt. 1793 war die Insel noch russischer Besitz, 1807 kam sie zu Holland, wurde 1810 französisch und 1818, inzwischen wieder russischer Besitz geworden, von Russland endgültig an das Großherzogtum Oldenburg abgetreten.

Heute leben vielleicht 200 Katholiken auf der Insel. doch schon im Jahre 1893 werden in der Kartothek der Pfarre Jever die ersten beiden ortseingesessenen Katholiken der Insel erwähnt: Es waren dies der Leuchtturmwärter Fritz Schmidt und der Sirenenwärter Wilhelm Küpper. Wie der ganze nordoldenburgische Raum, so gehört auch die Insel zum Diasporagebiet des Bistums Münster, Wangerooge verfügt über eine eigene Seelsorgestelle, und zwar seit über 60 Jahren. Es ist zugleich die nördlichste Seelsorgestelle des Bistums überhaupt.

Es ist schon interessant zu sehen, wie es zur Gründung dieser Seelsorgestelle gekommen ist. Im Jahre 1895 erklärten Wiener Kurgäste, sie würden im nächsten Jahr an anderer Stelle Erholung und Entspannung suchen, wenn ihnen auf der Insel nicht die Möglichkeit geboten würde, die heilige Messe zu hören. Die Kurverwaltung  muss diesen Einwand sehr ernst genommen haben. Zumindest hat sie sich unverzüglich um Abhilfe bemüht. Sie setzte sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung, und bereits im Juni des gleichen Jahres lag die Genehmigung des Generalvikars von Münster, für die Zeit der Badesaison auf Wangerooge vom Jeverschen Pfarrer die heilige Messe zu halten vor. Im nächsten Jahr bereits konnten die katholischen Gäste auf der Insel die heilige Messe hören. Für den Gottesdienst war ein Raum "in der 7. Villa des Herrn Rösing", im heutigen Hotel "Nordsee", zur Verfügung gestellt worden. Wiener Katholiken hatten dafür gesorgt, dass auf Wangerooge das heilige Opfer dargebracht wurde, und ein Wiener Domkapitular, Dr. Zschokka, war es, der hier dann die erste heilige Messe seit der Reformation zelebrierte.

Die Tatsache, dass sie auf Wangerooge während des Urlaubs ihrer Sonntagspflicht genügen konnten, veranlasste in den folgenden Jahren immer mehr Katholiken, auch schon aus dem westfälischen Raum, auf der Insel Erholung zu suchen. Schon zwei Jahre später erwies sich der von der Kurverwaltung bereitgestellte Raum als viel zu klein. Die Gemeindeverwaltung gab daher 1898 für diesen Zweck das Lampenwärterhäuschen am Leuchtturm frei. Während der Saison wurde es in eine regelrechte Kapelle umgewandelt. Die notwendigen Einrichtungen stellten die katholischen Kurgäste selbst zur Verfügung.

Im Mai 1900 wurde in Vechta eine Volksversammlung zwecks Errichtung eines katholischen Kinderhospizes auf Wangerooge einberufen. Diese Versammlung war aus allen Teilen des Oldenburger Münsterlandes stark besucht. Auf der Versammlung wurde ein Komitee für den Bau von Hospiz und Kirche auf der Insel gebildet. Die Arbeiten gingen zügig voran, und bereits Anfang Juli 1901 wurde das Kinderhospiz seiner Bestimmung übergeben, und Anfang August des gleichen Jahres erhielt die Kirche ihre Weihe. - "Die Kirche ist ein schmuckes Gotteshaus mit schönem Chor - ein Dom im kleinen", schrieb die "Oldenburgische Volkszeitung" vom 15.8.1901 über die neu errichtete kleine Kirche. Sie wurde zusammen mit dem Hospiz unter den besonderen Schutz des heiligen Willehad gestellt, jenes Heiligen, der unter Karl dem Großen die Sachsen an der unteren Weser und die Friesen im Mündungsgebiet der Ems und Jade missioniert und damit indirekt auch die Insel christianisiert hat und der von 787-789 Bischof von Bremen war.

Die Seelsorge auf der Insel wurde von 1901-1910 von Dominikanerpatres versehen, die während der Saisonzeit von Vechta kamen. Während der übrigen Monate blieb die St.-Willehad-Kirche geschlossen. Seit 1910 betraute man dann Steyler Patres mit der Seelsorge auf der Insel. 1924 wurde schließlich für die Sommermonate ein eigener Geistlicher des Bistums Münster als Seelsorger durch die bischöfliche Behörde eingestellt.

Es ist jetzt 17 Jahre her, dass am 25. April 1945 die St.-Willehad-Kirche an der Zedeliusstraße ein Opfer englischer Bomben wurde. Und während dieser Zeit ist das Haus "Meeresstern" für die kleine Diasporagemeinde und für die große Kurgemeinde ein unersetzlicher Rückhalt geworden. Seitdem St. Willehad zerstört ist, finden die regelmäßigen Gottesdienst während des ganzen Jahres in der kleinen Kapelle des Heimes statt. Die Kapelle, die ursprünglich nur für die Hausbewohner gebaut worden ist, ist einem so großen Besucherstrom nicht gewachsen. In den Sommermonaten wir der kleine Raum um die dahinter liegende Beichtkapelle und den sich daran anschließenden Mariensaal erweitert, um so den etwa 1500 Gläubigen, die dort Sonntag für Sonntag 7 heilige Messen hören, Platz zu bieten. Wenn man sich diese Zahlen und die begrenzten Raumverhältnisse - die Kapelle bietet mit dem angrenzenden Mariensaal Platz für 220 Gläubige, also für die etwa 200 Wangerooger Katholiken ausreichend - vor Augen führt, dann versteht man die große Sorge des Pfarrrektors, eine eigene Kirche zu haben, die den vielen Gottesdienstbesuchern aus dem Rheinland und aus Westfalen genügend Platz bietet.

Südlich der Peterstraße kann gegenüber dem Haus "Meeresstern" der Grundstein für eine neue St.-Willehad-Kirche gelegt werden. Dieser großzügige Neubau wird nach Plänen der Osnabrücker Architekten Burlage und Niebuer sowie Vischer aus Wangerooge erbaut. Die moderne Architektur wurde vom Denkmalsausschuss in Oldenburg sehr positiv beurteilt. Das Modell im Pfarrrektorat vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck von der großzügigen und formschönen Bauweise der Kirche. Die moderne, architektonisch ausgewogene Saalkirche zeigt sich auch in der Innenausstattung des Kirchenschiffes. Die Südwand beherrscht ein 5,80 x 21 Meter großes buntes Betonglasfenster, das in seinen 11 Abschnitten Szenen aus der Bibel darstellt. Auch die kleinen Nordfenster sind ganz in Buntglas gehalten. Das Kirchenschiff ist ein fast quadratischer 19 x 21 Meter großer Raum, der ganz in schlichtem Weiß gehalten wird. Später kommen in einem zweiten und dritten Bauabschnitt noch ein Pfarrhaus mit Fremdenzimmer für Geistliche und ein Pfarrheim mit Gemeinschaftsräumen hinzu.

Sehr gut haben die Architekten das Problem des Daches gelöst. Das nach Norden abfallende Dach neigt sich von 8 Metern im Süden auf 3 Meter Raumhöhe im Norden dem Sturm entgegen. Der Altar ist an der Ostseite, wie es in den Kirchen an den Küsten üblich ist, untergebracht udn auch die äußersten Sitzplatze sind nicht mehr als 15 Meter von ihm entfernt. Durch die Verwendung von Glasbausteinen in dem 17 Meter hohen Glockenturm an der Nordseite der Kirche wird der Chorraum indirekt bestrahlt. Die Empore für die Orgel wird ihren Platz unterhalt des Turmes finden und im Chorraum ausmünden. Die Sakristei wird mit der Kirche durch einen überdachten Gang verbunden. Der Kirchgänger wird das Gotteshaus von der Elisabeth-Anna-Straße her durch einen zum Teil abgedeckten Vorhof betreten.

In einer Sonderbeilage der "Wilhelmshavener Zeitung" (Frühjahr 2012) schreibt Jürgen Peters: "In der Chronik der Wangerooger St.-Willehad-Gemeinde ist nachzulesen, dass unter den Geistlichen der damaligen Zeremonie der Grundsteinlegung auch Dechant Johannes Landwehr aus Wilhelmshaven und P. Dr. Augustin Borgolte aus Warendorf, der den Bombenhagel auf Wangerooge und die Zerstörung der ehemaligen Willehad-Kirche erlebt hatte, waren. Pfarrektor Norbert Galler, zu der Zeit als Seelsorger der St.-Willehad-Gemeinde tätig, verlas bei der Grundsteinlegung vor den zahlreichen Gästen - Insulanern, Kurgästen, Kindern, Marinesoldaten der Signalstation, Vertretern des Inselrates und vor allem Schwestern Unserer Lieben Frau aus dem Krankenhaus und Kinderheim Meeresstern, wo seit den Jahren nach dem Krieg in der kleinen Hauskapelle die Gottesdienste stattfanden - die auf Pergament geschriebene Urkunde, die anschließend in eine Kupferkassette mit weiteren Zeitdokumenten eingeschlossen und in den Grundstein eingemauert wurde.

Am Ende der Urkunde heißt es: 'Die Weihe des Grundsteins nimmt heute der Bischöfliche Offizial Grafenhorst vor, der in den Jahren 1940/42 als Standortpfarrer die Katholiken auf der Insel betreut hat. Seiner tatkräftigen Anregung und großzügigen finanziellen Hilfe verdanken wir diese würdige und geräumige Gotteshaus. Großen Dank schuldet die kleine Inselgemeinde auch dem Vorstand des Bonifatiusvereins in Paderborn, mehreren Kirchengemeinden in Südoldenburg und Westfalen udn einer großen Anzahl von opferbereiten Freunden und Kurgästen sowie der Kurverwaltung, die eine finanzielle Hilfe zugesagt hat.'