Der Eiserne Kreuzweg

im Stadtpark zu Friesoythe

Foto links: Ludger Bickschlag,

Stadtmarketing Friesoythe

 

Texte: Dechant Michael Borth

 

Fotos: Heinrich Deboi

Station 1 | VERURTEILEN

Ein Mensch wird auf Grund eines Vorfalls
von der Gruppe verurteilt.
Mit deutlichen, unmissverständlichen Gesten
zeigt die Gruppe ihre Verachtung.

 

Elisabethschule, Friesoythe

 

Mit einer Verurteilung fing der Kreuzweg Jesu an. Verleumdung und Verrat standen am Anfang.

Ein ungerechtes Urteil wird von Pilatus gesprochen.

Jesus hat nicht Böses getan, sondern den Menschen die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit verkündet.

Trotzdem wird er zum Tode verurteilt.

Die Ungerechtigkeit feiert einen schrecklichen Sieg über die Gerechtigkeit. Es sollte nicht der letzte sein.

Bis auf den heutigen Tag leiden Menschen an Ungerechtigkeiten und Vorurteilen.


Station 2 | ANNEHMEN

Eine Figur, erschöpft, mit gesenktem Kopf und mit Kreuzen behaftet, durchschreitet mit großer Anstrengung ein Tal.
Eine zweite Figur verfolgt die erste wie ein Phantom, ein Geist, ohne Gesicht, schemenhaft mit einem Tuch umhüllt und mit einem weiteren Kreuz in der Hand.

 

Grundschule Hohefeld

 

Jesus nimmt das Kreuz an, obwohl er es nicht verdient hat.

Etwas anzunehmen, was man nicht verdient hat oder was man nicht haben will, ist eine große Herausforderung.

Jesus lässt sich herausfordern.

Er trägt das Kreuz, damit Menschen, die Kreuze tragen müssen und Leiden auferlegt bekommen, nicht allein sind in ihrer Not.


Dreimal fällt Jesus auf seinem Kreuzweg. Dreimal rafft er sich immer wieder auf. Er gibt nicht auf. Je tiefer er fällt, desto mehr scheint er getragen zu sein von der Liebe seines Vaters.

Das Fallen gehört zur menschlichen Erfahrung von Anfang an. Der Fall kommt von ganz alleine.Das Aufstehen und Weitemachen bleibt unsere Aufgabe.

Ohne die Kraft von Gott und die Mithilfe von Menschen wird es schwer.

Station 3 | FALLEN

Menschen fallen unter dem Druck schwerer Belastungen.
Das verursacht ein Gefühl der Unsicherheit.
Doch irgendwo ist immer eine helfende Hand.

Gerbert-Schule, Altenoythe, Grundschule

Station 3 | FALLEN

Stolpersteine bringen uns immer wieder zu Fall.
Wir brauchen Hände, die uns halten und auffangen.
Gott ist uns eine solche Hand.
Sind wir einander solche Hände?

Grundschule am Markatal, Markhausen

 

Station 4 | BEGEGNEN

Berührung, Veränderung und Helfen führen zu Begegnungen.
„Danke, dass Du mir geholfen hast“
„Du richtest mich auf“
„Durch gemeinsamen Halt in Freundschaft verbunden“

Marienschule, Friesoythe, Grundschule

Station 4 | BEGEGNEN

Die Begegnung mit Freunden bedeutet Nähe und Geborgenheit.

Heinrich-von-Oytha-Schule, Altenoythe, Hauptschule

Station 4 | BEGEGNEN

Freunde begegnen sich. Gesichter und Körper begegnen sich.
Begegnung findet im Kopf statt.
Begegnung bedeutet auch: zusammenpassen, sich ergänzen, sich komplettieren.

Ludgeri-Schule, Friesoythe, Grundschule

Jesus war auf seinem Kreuzweg nicht allein. Viele Menschen schauten bloß zu oder hatten ihre heimliche Freude. Doch es gab auch Menschen, die mitfühlten und halfen. Es gab heilsame und helfende Begegnungen mit Maria, seiner Mutter, mit Simon von Zyrene, der ihm das Kreuz tragen half, mit Veronika, die ihm das Schweißtuch reichte, mit den weinenden Frauen, die ihre Solidarität mit dem leidenden Jesus bewiesen und mit jenen, die in aller Stille für Jesus beteten und ihm nahe waren. Durch Begegnungen lassen sich schwere Wege besser aushalten.

Station 5 | ENTWÜRDIGEN

Kinder fühlen sich entwürdigt, wenn sie zum wiederholten Mal vom Mitspielen ausgeschlossen werden und keine Freunde finden.
Die gegenseitige Umarmung der drei Figuren zeigt den Ausschluss der Vierten.
Resigniert wendet sie sich von der Gruppe ab.

Grundschule Neuscharrel

 

Jesus wird verspottet, geschlagen, seiner Kleider beraubt und ans Kreuz genagelt.

Man lässt ihm keine Würde mehr und stellt ihn ganz bloß.

Gott hat jedem Menschen eine unverlierbare Würde geschenkt.

Doch vielen Menschen wird diese Würde geraubt.

Jesus ist diesen Menschen in dieser Station auf dem Kreuzweg besonders nahe.


Station 6 | FESTNAGELN

Das Herz steht für das Gute im Menschen.
Es wir von vielen Händen gestützt, gehalten und getragen.
Zwang, Streit, Ärger, Lüge, Schläge werden durch den
einzwängenden, festnagelnden Stacheldraht symbolisiert.

Grundschule Neuvrees

Jesus wird ans Kreuz genagelt.

Damit wird ihm jede Freiheit genommen.

Der Tod ist nun das unabwendbare Schicksal.

Es gibt kein Entrinnen mehr.

Immer wieder werden Menschen festgenagelt.

Man nimmt ihnen ihre Freiheit und den Raum zum Leben.


Jesus stirbt am Kreuz.

Der Tod ist selbst für den Gott des Lebens eine Wirklichkeit, weil es es will: Er teilt den Tod mit uns sterblichen Menschen.

Der Tod ist eine Wirklichkeit für uns alle. Oft wird er verdrängt. Soldaten sterben. Menschen sterben bei Naturkatastrophen. Krankheiten führen zum Tod.

Am Ende des Lebens steht der Tod unweigerlich für uns alle. Jesus teilt das tiefste und umkehrbare Schicksal mit uns.

Auch im Tod sind wir nicht gottlos.

Station 7 | STERBEN

Leben, Sterben, Trauer und Trost sind eng miteinander verbunden.
Symbolisch für das Sterben steht das offene Grab,
der Baum für das Leben, die Träne für Trauer und die Umarmung für Trost.

Grundschule Gehlenberg

Station 7 | STERBEN

Die Liebe der Menschen zueinander lindert den Schmerz
im Sterben, überdauert den Tod und wird durch die allumfassende Liebe Gottes in Ewigkeit geführt.

Realschule Friesoythe

 

Station 8 | ABGEBEN

Woran hängt unser Herz?
Abgeben kann mit Trauer, Verlust und Schmerz verbunden sein, wenn ich zum Beispiel einen Freund verliere, einen lieben Menschen im Tod loslassen muss oder wenn mir Liebgewordenes weggenommen wird.
Abgeben kann aber auch neues Leben schenken und Freude machen, etwa dann, wenn ich etwas von mir und meiner Zeit abgebe, damit andere durch mich Freundschaft, Liebe, Trost und Zuwendung erfahren.

Sophie-Scholl-Schule, Altenoythe, Tagesbildungsstätte

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt.

Maria hält ihren Sohn liebevoll in den Armen. Am Ende muss sie ihn ganz abgeben, damit er in das Grab gelegt werden kann. Es ist ein letztes Abgeben,ein bewusstes Zurücklegen in die Hände des Vaters.

Nur im Vertrauen wagen wir abzugeben.

Wir müssen im Leben immer wieder abgeben. Sonst kann das Leben letztlich nicht gewinnen.


Am Ende siegt nicht der Tod, sonder das Leben.

Jesus bleibt nicht im Tod.

Am Ende ist die Macht des Todes gebrochen durch Jesu Auferstehung.

Das ist das größte denkbare Geschenk, was mir gegeben ist: das ewige Leben.

Kann ich es annehmen und glauben?

Lebe ich als österlicher Mensch?

Station 9 | AUFERSTEHEN

Aus der Dunkelheit entsteht das Leben.
Eine Blume wächst zum Licht.
Die Kreuzform symbolisiert den Tod.
Durch die Blüte wird das Leben und somit die Auferstehung transparent.

Grundschule Mittelstenthüle

Station 9 | AUFERSTEHEN

Die massive Basis steht für das Alte und Vergängliche, das durchbrochen werden muss. Eine organisch wachsende Form entwickelt sich zu einem Kreuz, das den Glauben darstellt. Die Lupe, die das Kreuz umschließt, verweist auf den Konflikt mit Wissenschaft und Medizin. Das Bild der Schlange steht für ewigen Kreislauf des Lebens, für das Vergängliche und Sterbliche. Hoffnung, Mut und Freude sind möglich. Unglaube und fehlende Beweise lassen jedoch Zweifel an der Auferstehung aufkommen.

Albertus-Magnus-Gymnasium, Friesoythe

 

Station 9 | AUFERSTEHEN

Ein neuer Tag beginnt, die Sonne geht auf. Der Schmetterling steht wie die Sonne für Auferstehung. Anfänglich eine Raupe, dann ein Kokon und am Ende ein prächtiger Schmetterling.

Berufsbildende Schulen Friesoythe


Das Projekt "Der Eiserne Kreuzweg" ist ein beispielhaftes Projekt von Menschen für Menschen. 9 Stationen mit 15 individuell gestalteten Plastiken zeigen dem Betrachter in Stahl umgesetzte Gedanken und Gefühle einer Vielzahl junger Menschen mitten aus unserer Gesellschaft.

Es ist eine eiserne Installation entstanden, die in dieser Form einzigartig ist.

Dieses Gesamtwerk regt zu Diskussionen und zum Nachdenken an. Abstrakte und realistische Bilder wechseln sich ab. Die einzelnen Darstellungen entsprechen nicht unbedingt den Erwartungen des Betrachters und fordern auf zu einer gedanklichen Auseinandersetzung.

Die Besucher des Friesoyther Stadtparks werden durch den verwendeten rostigen Stahl ein weiteres Mal auf die "eiserne Geschichte" der Stadt Friesoythe hingewiesen.

Die Korrespondenz des Eisernen Kreuzwegs mit dem eisernen Glockenturm ist von zusätzlicher tiefgreifender Bedeutung.

(Alfred Bullermann)